(optional until assigned)

Soziale Netzwerke

Einloggen via

2017 (Burg Rothenfels)

Die achte DGA-Nachwuchstagung fand, wie bereits zwei Jahre zuvor, auf der Burg Rothenfels am Main statt. Rund 25 TeilnehmerInnen und KommentatorInnen trafen sich in luftiger Höhe um über das Leitthema „Asien: Potenziale und Konflikte“ zu diskutieren. Die methodische, disziplinäre und geographische Vielfalt der Beiträge spiegelte sich in insgesamt 15 sehr unterschiedlichen Vorträgen wieder.

Den Beginn machte Sophie Veauthier (Tübingen) mit ihren Überlegungen zum State of the Art‘ der chinesischen Feminismusforschung und Gender-Studien, welches zu einer regen Diskussion zwischen den Teilnehmern führte. Den Eröffnungstag schloss Tanja Herklotz (HU Berlin) mit ihrem Vortrag über die Auswirkungen der indischen Frauenbewegung auf das indische höhere Gericht unter Miteinbezug verschiedener religiöser Rechtsprechungen ab. Im Anschluss daran wurden neue wie alte Kontakte in gemütlicher Runde bei fränkischem Wein im Turm der Burg gepflegt.

Der Samstagvormittag begann mit Beiträgen zur politischen Ökonomie. Hierbei zeigte Jennifer Stapornwongkul (Freiburg) China’s Expansionsvorhaben mit Beispielen aus Thailand, Kambodscha und Frankreich. Sie berichtete von unterschiedlichen Herangehensweisen der Going Global Strategy‘ Chinas und welche Rolle der Staat bei der Internationalisierung von Unternehmen besitzt. Im Anschluss lenkte Nina Rodmann (Frankfurt) den Fokus auf die Philippinen. In ihrer Arbeit wurde ebenfalls auf das Konzept des Developmental State zurückgegriffen und die Industriepolitik des südostasiatischen Inselstaates erläutert. Sie zeigte deutlich, dass der Staat eine große Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung spielt, allerdings verlaufe diese auf den Philippinen aufgrund interner Strukturen sehr ineffizient.

Im letzten Panel vor der Mittagspause stelle Leon Kunz (SOAS London) seine Ideen einer vergleichenden Studie zwischen der jeweils 2014 stattgefundenen Umbrella-Bewegung in Hongkong und dem Sunflower-Movement in Taiwan vor. Das Vormittagsprogramm wurde mit einem Beitrag von Annapia Debarry (Bonn) beendet. Sie präsentierte Ergebnisse ihrer bereits im vergangenen Jahr fertiggestellten Masterarbeit, in welcher sie mit Kartierungen und Befragungen auf die Agrartransformation in Myanmar einging und den Einfluss des Staates auf die Landwirtschaft darstellte. Dung Vu-Tien (Gießen) eröffnete das vierte Panel zum Thema Internationale Beziehungen‘. Nach einer Definition von Nord-Ost-Asien wurde die enge Vernetzung der drei wirtschaftsstarken Nationen China, Südkorea und Japan näher erläutert, aber verdeutlichte zugleich die Komplexität einer harmonischen regionalen Integration. Der anschließende Vortrag von Peter Kesselburg (Freiburg) lenkte den Blick auf Chinas Nachbarn im Süden. Mit Hilfe von qualitativen Interviews, offiziellen Statistiken und Textanalysen ging er auf Chinas Handelsbeziehungen mit Nordvietnam ein. Die historisch dynamische Grenzregion, in welcher seit 1991 wieder aktiver Grenzhandel betrieben wird, ist weiterhin mit Spannungen behaftet. Eine gewisse Abhängigkeit der nordvietnamesischen Region steht einer gleichzeitigen Furcht vor dem großen Nachbarn gegenüber. Chris Höhne (Darmstadt) schloss das Panel mit der Bedeutung von Schwellenländern auf den Klimawandel ab. Mit Hilfe von Case Studies aus Indien und Indonesien, den weltweit dritt- und fünftgrößten CO2-Produzenten, versucht er den bisher mit wenig Beachtung geschenkten Multi-Level-Governance Ansatz gerecht zu werden. Hierbei führte er 28 Interviews mit unterschiedlichen Akteuren (u.a. NGOs, Ministerien).

Das fünfte Panel stand im Zeichen der Stadtforschung. Die ersten beiden Beiträge widmeten sich geographisch dem Inselstaat Japan. Sascha Dolezal (Würzburg) stellte seine Arbeit zu traditionellen Einkaufspassagen in Japan vor. Ein Multimethodenansatz aus Kartierungen, schriftlichen Befragungen und Leitfadeninterviews zeigte die deutliche Abwärtsentwicklung vieler Einzelhandelsstandorte auf und welchen Entwicklungen diese zukünftig gegenüberstehen. Uta Merkle (Bochum) veranschaulichte die Urban Renaissance Politik Japans am Beispiel Osakas. Diese Deregulierungspolitik soll zudem auch als Ausgleichspolitik verstanden werden, um einer weiteren zentralistischen Ausrichtung auf Tokyo entgegenzuwirken und regionalen Behörden mehr Planungsfreiheiten zu gewährleisten. Frederike Trotier (Frankfurt) behandelte Dezentralisierungsprozesse am Beispiel Indonesien. Ihr Fokus lag auf der ehemaligen Industriestadt Palembang, welche seit knapp zwei Jahrzehnten als Sportstadt eine überregionale Bekanntheit erfährt. Das Vortragsprogramm für Samstag beendete Elisabeth Schleep (Freiburg) mit der Thematik der Kindheit in der modernen chinesischen Autobiographiebeschreibung mit Fokus auf die Republikzeit von 1912 1949. Besonders persönliche und intellektuelle Entwicklungen, Alltagsdarstellungen und die kindliche Natur waren in dieser Zeit vorherrschende Themen.

Der letzte Tagungstag begann mit einem Vortrag von Suy Lan Hopmann (Berlin). Sie referierte über politische Kampagnen in der VR China von 1949 bis 2009. Hierbei stellte sie sich insbesondere die Frage, welche Rolle politische Kampagnen als Instrument der politischen und gesellschaftlichen Beeinflussung seitens der kommunistischen Partei haben und welche Funktionen sie erfüllen. Ihr Vortrag war zugleich auch der letzte der achten Nachwuchstagung. Im Anschluss daran berief das Sprecherteam der DGA-Nachwuchsgruppe Neuwahlen ein. Da alle vier Sprecher Raphael Susewind, Franziska Plümmer, Robert Pauls und Christina Maags  geschlossen abtreten, war eine komplette Neubesetzung des Sprecherteams notwendig. Die bisherigen Sprecher befinden sich entweder in der Endphase ihrer Promotion oder haben diese gar vor Jahren bereits abgeschlossen, weshalb sie sich nun neuen Aufgaben widmen und Platz für den Nachwuchs frei machen. Suy Lan Hopmann, Jennifer Stapornwongkul, Elisabeth Schleep, Sophie Veauthier und Dung Vu-Tien bilden das aus fünf Sprecher und Sprecherinnen bestehende Team für die Periode von 2017 bis 2019. Die gesamte Tagung wurde vortrefflich organisiert und kommuniziert. Die Fußstapfen des scheidenden Sprecherteams sind groß, durch eine Verteilung der Verantwortung auf mehreren Schultern können diese aber auch in Zukunft sicherlich erfolgsversprechend gefüllt werden. Ein besonderer Dank gilt neben dem Sprecherteam auch den KommentatorInnen für die konstruktiven und präzisen Kommentare sowie den vielen daraus resultierten informativen Gesprächen im Anschluss.

Sascha Dolezal

VorschauAnhangGröße
Call for Papers 201782.91 KB
  • p1090822.jpg
  • p1090838.jpg
  • p1090840.jpg
  • p1090842.jpg
  • p1090843.jpg
  • p1090844.jpg
  • p1090861.jpg
  • p1090865.jpg
  • p1090872.jpg
  • p1090874.jpg
  • p1090877.jpg
  • p1090883.jpg