Tagung 2009
Tagung der
Nachwuchsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Asienkunde
Bonn, 03. – 05.
Juli
Seit nunmehr vier Jahren organisiert
die Nachwuchsgruppe der DGA eine Tagung im Abstand von einem bis anderthalb
Jahren. Vom 03. – 05. Juli fand nun in der Jugendherberge am Venusberg, Bonn,
das bereits vierte Treffen statt. Ziel
der Tagung ist es, Nachwuchswissenschaftler/innen der Asienforschung ein Forum
zu geben, in dem Qualifikationsarbeiten von Experten kommentiert und mit der gesamten Teilnehmerschaft diskutiert
werden können. Wie auch bei den drei vorhergehenden Tagungen hatte der Call for Paper zu einem breiten Spektrum
an Panels geführt, das die ganze Bandbreite der sozialwissenschaftlichen
Asienforschung abdeckte. Insgesamt nahmen rund 50 Personen an der Tagung teil,
knapp die Hälfte davon waren bislang keine Mitglieder der Nachwuchsgruppe.
Diesen bot das Treffen in Bonn eine gute Möglichkeit, die Arbeit der
Nachwuchsgruppe kennenzulernen; die Folge waren mehrere Neueintritte in die DGA
und Nachwuchsgruppe seit der Tagung.
Den
Eröffnungsabends bestritt das Panel „Politikwisschenschaft“ mit Dr.
Patrick Ziegenhain als Chair. Prof. Jürgen Rüland von der Universität Freiburg
kommentierte die äußerst anspruchsvollen Präsentationen von Ryoma Sakaeda (GIGA
Hamburg) zu der Bedeutung Nordkoreas für Japans Sicherheitsstellung und den
Vergleich von Magnus Dau (Universität Marburg) zwischen der französischen und
deutschen Chinapolitik. Obwohl in diesem ersten Panel noch akribisch genau auf
die Einhaltung der Zeit geachtet wurde, wurde erst spät zum gemütlichen Teil
des Abends übergegangen.
Den Auftakt des zweiten Tages bildete
das Ethnologiepanel, welches aufgrund der großen Anzahl ethnologischer Paper
zweigeteilt worden war. Vier der fünf Paper befassten sich mit Indien, wofür
Dr. Karin Polit vom Südasieninstitut Heidelberg passender weise die
nötige Expertise sowohl als Ethnologin als auch als Indienkennerin mitbrachte.
Der erste Teil des Panels umfasste Paper zum Thema Identität und soziale
Beziehungen. Sarah Habersack von der Universität Wien erörterte „die soziale
Produktion und Reproduktion von Raum in Pune, Maharastra“ und Dorith Altenburg
stellte ihr geplantes Dissertationsprojekt zum Thema „Identität in Zeiten von
Globalisierung und IT-/Outsourcing-Boom in Indien“ vor. Im zweiten Teil des
Panels präsentierte Bettina Volk von der Universität Frankfurt Ergebnisse ihrer
Feldforschung über Totenrituale im indonesischen Alor-Archipel. Raphael
Susewind von der Universität Marburg sammelte letzte Anmerkungen für seine
Diplomarbeit zur Verbindung von Friedensaktivismus und religiösem Glauben unter
Muslimen in Gujarat und Miriam Benteler von der FU Berlin machte den Abschluss
des Panels mit der Darstellung ihres Promotionsprojekts über „Konzepte von
Kaste und Verwandtschaft unter lateinischen Christen in einem Küstenort in
Kerala“.
Auf dieses sehr ausführliche
ethnologische Panel samt einer anregenden
Diskussion über Feldforschungsmethoden folgte ein Nachmittag mit zwei
kleineren Panels zu den Bereichen „Werte und Wissen“ und „Migration“. Direkt
nach der Mittagspause stellte
zuerst Prof. Claudia Derichs als
Mitglied des Vorstandes die Arbeit und das Angebot der DGA vor. Darin wurde von
ihr besonders die Bedeutung der
Nachwuchsgruppe als mittlerweile größte Teilgruppe der DGA und die
Möglichkeiten für Nachwuchswissenschaftler/innen, sich in der DGA und bei ASIEN
einzubringen, hervorgehoben. Frau Prof. Derichs kommentierte anschließend die
Paper des Panels „Werte und Wissen“ auf sehr anregende Art und Weise. Das Panel
hätte ebenso in „Wissen und Wirtschaft“ umbenannt werden können, denn Katharina
Glaab von der Universität Münster präsentierte darin ihr Promotionsprojekt zum
Thema „Agricultural Biotechnology
Politics in China and India: Some Ideational Perspectives“, während Hannah
Kreis ihre Arbeit zur Rezeption wirtschaftstheoretischen Gedankenguts in Japans
Meiji-Ära vorstellte. Constanze Müller beleuchtete mit ihrer Präsentation die
Transferprozesse wirtschaftlich wertvoller Informationen in der
deutsch-chinesischen Zusammenarbeit ging.
Dr. Kyoko Shinozaki aus dem
Graduiertenkolleg „Transnationale soziale Unterstützung“ der Universität Mainz
kommentierte das Migrations-Panel, während Stefan Rother vom Arnold
Bergstraesser Institut, Freiburg, als Chair die Teilnehmer/innen des Panels
vorstellte und die Diskussion leitete.
Alexander Trupp (Universität Wien) stellte seine Arbeit über das soziale
Kapital migrierender ethnischer Minderheiten in urbanen Gebieten Thailands vor,
während Asako Ishii ( Universität Münster) ihren Vergleich der Auswirkungen von
Migration auf Demographie und Gesellschaft in Deutschland und Japan
präsentierte. Frauke Kandale von der HU Berlin erörterte eine transnationale Perspektive auf den
Prozess der Konversion Chinesischer Muslime in Malaysia.
Am zweiten Abend wurden Informationen
über Graduiertenkollegs zusammengetragen und diskutiert. Durch die Bildung von
Exzellenzclustern und neue finanzielle Ressourcen aufgrund von Studiengebühren
ist die Zahl an asienwissenschaftlich ausgerichteten Graduiertenkollegs
gestiegen. Jedoch sind die Standards der Ausbildung unterschiedlich. Trotzdem
wurden Graduiertenkollegs im Plenum als ein sinnvoller Rahmen für die Promotion
bewertet.
Das Programm des dritten Tags bestand
neben einem letzten Panel vor allem aus den Wahlen der Sprecher/innen und deren
Stellvertreter/innen. Dr. Björn Alpermann, Juniorprofessor an der Universität
Würzburg kommentierte das Panel, das sich mit China beschäftigte. Während sich
zwei der drei Paper mit dem politischen System Chinas auseinandersetzten,
befasste sich das dritte Paper mit einem soziologisch-sprachwissenschaftlichen
Thema. Pablo Zerm von der HU Berlin präsentierte sein Promotionsvorhaben über
die erfolgreiche Autokratie Chinas, während Christoph Steinhardt von der Christian
University of Hong Kong sich mit dem Diskurs über Proteste innerhalb des
chinesischen Einparteienstaats auseinandersetzte. Dagegen stellte Markus
Jentsch von der Universität Freiburg seine Arbeit zu Aspekten des Konzeptes
Gesicht in der Volksrepublik vor. Die sehr detaillierten und konstruktiven
Anmerkungen des Kommentators mündeten auch hier in eine ausführliche Diskussion
aller drei Paper.
Für den letzten offiziellen Teil der
Tagung wurden in zwei Wahlgängen die neuen Sprecher/innen und deren
Stellvertreter/innen gewählt. Stefan Rother und Henriette Sachse schieden nach
zweijähriger erfolgreicher Amtszeit als Sprecher aus. Ihnen beiden an dieser
Stelle ein herzliches Dankeschön für ihr Engagement in den letzten Jahren!
Stefan Rother wird künftig im Vorstand der DGA tätig sein. Die beiden
bisherigen Stellvertreterinnen Eva Ottendörfer (HSFK Frankfurt) und Anke
Wiedemann (Universität Freiburg) wurden von den anwesenden Mitgliedern als
Sprecherinnen gewählt. Als neue Stellvertreterinnen konnten sich Anne Schreiter
und Simone Christ in der Wahl gegen weitere Bewerber durchsetzen.
Die Tagung erwies sich ein weiteres
Mal als angenehme und beliebte Plattform für junge Asienforscher/innen, um
sowohl den wissenschaftlichen als auch persönlichen Austausch zu pflegen. Auch
wenn sich bei der Themenwahl der Paper dieses Mal ein starker Schwerpunkt auf
Indien und – vor allem – China herausgebildet hat, bleibt es doch nach wie vor
erklärtes Ziel der Nachwuchstagung, allen Regionen und Bereichen der Asienforschung
Gehör zu verschaffen. Die Nachwuchsgruppe hofft auch in Zukunft auf spannende
Paper und das selbstlose Engagement der Kommentator/innen und Chairs, denen an
dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Der Tagungsablauf: hier zum download als .pdf
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